Photos (by Philipp Nyffenegger)
REPRINT aus DAN # 18/19: Über diesen Auftritt zu schreiben fällt mir unheimlich schwer. Da waren so viele Gefühle, Empfindungen und erfüllte Erwartungen, dass es mir unmöglich ist dies in Worte zu packen. Ein Indiz dafür, dass es wirklich ein unsagbar guter Auftritt war, scheint mir darin zu bestehen, dass meine sehr hohen Erwartungen in einen Clubgig von Bruce nicht enttäuscht wurden. Ich weiss nicht was hätte besser sein können, ausser dass er noch Dies und Das gespielt hätte. Nach dem Gig kamen unserer Schweizer Delegation noch Dutzende Songs in den Sinn, die wir alle auch noch hören wollten. Wenn man aber die Setlist etwas genauer anschaut, entdeckt man schon einige Highlights, die man zuvor nicht mal zu hoffen gewagt hätte. Einige Songs im Detail: DOWN THE ROAD A PIECE - kam völlig überraschend. Ansatzlos rockte der Song in den Club. Angehängt an das zweite Hungry Heart eröffnete diese Töne alle Möglich-keiten dieses Abends. Die nun bestätigte Gewissheit, dass Bruce es wohl nicht nur beim eigentlichen Grund; dem internieren des Videoclips Hungry Heart belassen wird. Und was für ein Opener für die Bonussongs!!! Letztmals rockte Springsteen zu diesen Klängen Anfangs der Siebziger. Der von Don Raye für Chuck Berry geschriebene Song gehörte zum Repertoire der Bruce Springsteen Band. So rockig mitreissend wie in Berlin habe ich den Song allerdings noch nie gehört. BOOM BOOM - John Lee Hooker's Klassiker wurde von Springsteen im grossen Stil schon für die Tunnel Of Love Tour zelebriert. Das war für mich damals einer der Highlights und der Beweis für die Güteklasse von Bruce's Covers. Die Intensität des stampfenden Beats in einem Club war nochmals eine Steigerung. Auch bemerkte ich bei diesem Song die Klasse der Band. Einigermassen überrascht stellte ich fest, dass die Band voll mithalten konnte. Der Sound kam knochentrocken daher, man sah allen die grosse Spielfreude an. HONKY TONK WOMEN / JUMPIN' JACK FLASH - Für mich als alten Stones Fan war es immer schon ein Herzenswunsch Springsteen einmal live einen Jagger/ Richards-Klassiker spielen zu sehen. Dass dies überhaupt noch in Erfüllung ging und dann gerade noch im Doppelpack... great !! Vor allem bei Honky Tonk Women war die Menge ausser Rand und Band. So eine Euphorie habe ich noch nie erlebt. Ich muss gestehen ich habe nicht viele Details von Springsteen's Gesang mitbekommen. Das Volk hat vollhals mitgesungen, die Fäuste schossen gen Himmel und Magie lag in der Luft. Es war völlig crazy... PS: Honky Tonk Women hat Springsteen meines Wissens auch schon seit Urzeiten nicht mehr vor Publikum gespielt. Seinerzeit als Teil des Dancing In the Streets-Medley mit Steel Mill (1970/71) KNOCKIN' ON HEAVENS DOOR / HIGHWAY 61 REVISITED - Die erwartete Dylanphase. Jeder hat gedacht, dass es wohl den einen oder anderen Dylan-Song diese Nacht zu hören gibt. Schliesslich ist Wolfgang Niedecken's neues Album voller Dialektversionen des grossen Meisters. Zudem hat auch Bruce schon einige Tribute an Dylan live auf der Bühne gebracht. Die Auswahl der Songs überrascht vor allem bei Knockin' ... Der Song kam viel fetziger daher als jede bisher gehörte Version. Nach Bruce teilten sich auch Ken Taylor, Bertram Engel und zuletzt auch Wolfgang Niedecken je für eine Strophe den Lead-Gesang. Niedecken sang seinen Part in einer Kölner- Dialektfassung, danach kam wieder Bruce an die Reihe, was schon ganz besonders Funny war. THUNDER ROAD - Springsteen's Klassiker lag plötzlich in der Luft. Noch hatte er eben seine Gitarre nachgestimmt, schon schnitt die erste Phrase durch die Nacht. Bruce solo, mit der elektrischen Gitarre, ohne Mund-Harmonika. Verdammt viel Gefühl, so intensiv ........ phantastisch. Der einzige ruhige Punkt im Set des Abends. GLORY DAYS - Naja... Party! Hätte persönlich diesen Song gerne durch einen anderen Springsteen-Heuler ersetzt. Kam aber einiges besser rüber als mit der 92/93er Tourband. TWIST & SHOUT - Oohh yeahh!! Let's shake our bodys... Traditioneller Show-Closer. Wie heisst es so schön... wenn's am schönsten ist soll man aufhören... Das Publikum war völlig losgelöst. Vielen sah man an, dass sie ihr Glück noch gar nicht richtig fassen konnten. Die Temperatur im Café stieg in bedrohliche Höhen, trotzdem riss der Auftritt alle mit. Nur während den Breaks bemerkte man den Durst und den Blutdruck. Und doch hätte wohl niemand seinen Platz verlassen, auch wenn Bruce noch eine weitere Stunde gejammt hätte. Die Menge vor dem Lokal beneideten wohl alle im Innern des Rockkessel. Dort waren aber sicher auch einige Leute, die sich zumindest in der Pause gerne mal nach draussen gebeamt hätten. Natürlich gab aber niemand seinen Platz frei... Zuletzt danke ich noch allen Leuten, die diesen Konzerttrip für mich möglich gemacht haben. Ihr habt was zugute... by Silvio Sidler