JOE D'URSO & DAN ALBANESE

Live im El Internacional, Zürich

Dienstag, 10. Juni 1997 – Der Tag der Wahrheit war gekommen. Können wir ein erfolgreiches Konzert veranstalten, mit bis anhin in Europa völlig unbekannten Musikern? Wir offerierten zwei New Yorker Vollblutmusiker, getrennt von ihrer Langzeitband "Stone Caravan", und boten sie dem kritischen Schweizer Publikum an einem akustischen Abend im "Inti" an. Das Wagnis hat sich vollkommen gelohnt, mehrheitlich dank dem hervorragendem Auftritt von Joe & Dan, mit dem sie das gespannte Volk im Handumdrehen für sich einnahmen. Dank gebührt auch allen Members & Friends vom "Drive All Night", die unserem Urteilsvermögen blind getraut haben und in dieser heissen Nacht nach Zürich gepilgert sind. Die Daheimge-bliebenen wurden diesmal von selbst bestraft, denn Sie verpassten ein wirklich mitreissendes, durch und durch ehrliches Rockkonzert.

Schon der Opener "When The Night Comes" vom vielzitiertem letzten "Stone Caravan"-Album "Mirrors, Shoestrings & Credit Cards" zeigte die Richtung an. Joe D’Urso (guitar/vocal) spielte und sang mit einer schon fast spürbaren Freude. Dan Albanese (bass) war sichtlich der ruhende Pol in diesem Duo. Präzise und mit einer unglaublichen Mimik spielte er den Rhythmus zu D’Ursos Songs. Als dritter Song zelebrierten sie dem dankbaren Publikum "Badlands". Springsteen’s 70er Hymne wirkte frisch und agil in seinem neuen akustischen Stil. Auch wenn noch einige Coversongs folgen sollten, so warfen Joe & Dan schon hauptsächlich ihre eigenen (unbekannten) Songs in die Runde. Darunter befanden sich auch drei neue Songs, die fürs kommende Album vorgemerkt sind. Zwischen den Liedern sprach Joe dann auch meistens zu seinen Hörern und erzählte Stories und Hintergründe zu den einzelnen Songs. Eindrückliche Highlights waren "Jesse Quentin" und die Partysongs "Noisy Guitars" und "Rock & Roll Station". Geschickt plaziert wurden dazwischen auch immer wieder die ausgewählten Covers, wie Neil Youngs "Powderfinger" oder Tom Pettys "Yer So Bad" vorgetragen. Zum Dank an Philipp und dem ganzen Drive-Team erklangen auch noch einige Songs aus dem Repertoire eines uns gut bekannten New Jersey-Musikers: ein überraschendes "Born In The USA" im Nebraska-Style, das stimmungsvolle "The River" und das von D’Urso abgeänderte Berry/Springsteen Stück "Bye Johnny Bye (Dead Rock Stars)". Dieses originelle Cover findet sich ebenso auf Ihrem letzten Album wie auch schon einige der anderen erwähnten Songs. Ich ziehe zwar die an diesem Abend gespielte Akustikversion der brachialen Gitarren-rockversion von "Mirrors, Shoestrings & Credit Cards" vor, dennoch ist das Album allen Freunden von guter, einfacher Rockmusik zu empfehlen.

In dieser heissen (im doppelten Sinne) Nacht entdeckten nicht nur einige den Rock’n’Roll wieder. Wer zuhörte konnte einige Tugenden im Spiel des sympathischen Duos entdecken und einige der über 60 Leute fühlten sich nach der über 2-stündigen Show geistlich erfrischter als am Anfang dieses Konzertes.

by Silvio Sidler