Wolfgang Niedecken
Kurzinterview mit Wolfgang Niedecken über sein Zusammentreffen mit Bruce.

rw= Rolf Wyss

wn= Wolfgang Niedecken

rw: Wie bist du zu der Ehre gekommen, den Herrn Springsteen zu interviewen?

wn: Das Interview... (überlegt), wie kam das denn? Die hatten das "Greatest Hits" Album zu promoten. Uebrigens, auf Springsteen aufmerksam gemacht hat mich der Major (Klaus Heuser). Eines Tages kam der mit "Born To Run" bei mir an und sagte: "Hör dir das mal an, der macht so was Ähnliches wie der Meister (Dylan), nur besser (lacht)". Dann habe ich mir das Ding angehört und fand das tatsächlich klasse. Dann wollte ich mehr davon haben und habe mir den Rest davon besorgt. Dann kannte ich mich bei dem genauso gut aus wie bei dem andern. Irgendwann hatte ich aber genug davon, irgendwann im Rahmen dieser "Born In The USA"-Geschichte. Da wurde dann alles dermassen bodybuildingmässig. Es wurde dann richtig peinlich, so 'ne, ähm, Pseudo-Volksverbundenheit. Es kam gar nicht mehr echt, ziemlich merkwürdig. Er hatte da eine ziemliche Krise, alles schien ihm irgendwie über den Kopf gewachsen. Bei "Tunnel Of Love" war's dann schon wieder auf ein erträgliches Mass zurückgestuft. Wie war die Frage nochmal? Ach ja, wie's zum Interview gekommen ist.

Ich hab' Springsteen dann immer noch gern gehört, aber das mit dem "in der ersten Reihe stehen", das war erstmal gegessen. Ich dachte, der hat die besten Sachen bereits hinter sich und viel wird da nicht mehr kommen. Ich kenn' den Jochen Leuschner, der Chef von der Sony Deutschland, ganz gut. Der weiss, wie ich über Springsteen denke und dass mich das schon interessiert. Da hat er mich gefragt: "Willst du ihn für die ARD interviewen? Du bist der geeignete Mann dafür. Hast du keinen Bock, das zu machen?" Das fand ich natürlich klasse. Dann habe ich mich in das Material, das ich nicht so gut kannte, richtig reingeschafft und dann gingen mir auch ein paar Sonnen auf. Hoppla, da ist ja doch mehr, als ich gedacht habe. Es ist ja so, dass man soviele Platten kriegt, wenn man in diesem Business ist. Man hört das Zeugs nicht mehr so aufmerksam als das, das man sich noch selbst gekauft hat. Jeder kann sich an die Zeiten erinnern, als er 10 Vinyl-Platten daheim hatte und jeden Furz darauf kannte.

Dann kam die nette Dame von der Plattenfirma, um uns zur Beendigung des Interviews zu mahnen.

wn: Ok, machen wir's kurz: Ich habe den Springsteen dann interviewt, es war prima. Wir haben uns dann nach dem Interview noch lange unterhalten, er hat sich die "Leopardefell"-Platte reingezogen und fand sie wirklich gut. Und irgendwann kam dann der Anruf mit der Anfrage, ob wir ihn für diesen Videodreh unterstützen wollten. Erst ging es nur um Playback. Am Vorabend kam dann noch der Anruf, dass wir noch ein richtiges Konzert anhängen würden. Man könne die Zuschauer doch nicht einfach nur als Statisten missbrauchen. Gottseidank hatten wir "Hungry Heart" bereits vorher live einstudiert. Ich spielte Gitarre, ich kann ja keine Soli spielen, ein paar Akkorde dreschen, das ist ok. Ich war erstaunt, wie gut Bruce Gitarre spielt. Es hatte eine unglaubliche Power, was da abging.

Photo by Rolf Wyss

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