It was very nice in Nice

Nizza, Frankreich - 18. 5. 1997

The Ghost of Tom Joad / Atlantic City / Straight Time / Highway 29 / Darkness on the Edge of Town / Murder Inc. / Highway Patrolman / It's Hard to Be a Saint in the City / Little Things / Red Headed Woman / Two Hearts / Brothers Under the Bridges / Born in the USA / Dry Lightning / Long Time Coming / Sinaloa Cowboys / The Line / Balboa Park / Across the Border
Encore #1: You Can Look / Working on the Highway / This Hard Land
Encore #2: Growin' Up / Galveston Bay / The Promised Land

Ein sonniges Pfingstweekend an der Côte d'Azur. Schon Stunden vor dem Konzert Dutzende von Fans vor dem "Konzertlokal". Akropolis nennt sich das Betonungetüm mitten in der Stadt, ein Kongress- und Kulturzentrum, Mitte der 80er Jahre hingeklotzt. Das Adjektiv "schön" ist mir beim Anblick nicht in den Sinn gekommen...

Tickets zu kaufen gibts vor dem Konzert in Hülle und Fülle, dementsprechend sind die Preise. Teurer erkauft werden muss sich dagegen das Betreten des Konzertsaals : erst flughafenmässiges Röntgen der Gepäck-stücke, dann die Personenkontrolle, an gerade mal ZWEI Treppen, welche in das obere Stockwerk führen. Wühlen in Taschen, Leibesvisitation, einer nach dem anderen. Und das dauert... Endlich drinnen im Saal eine positive Überraschung : der Baukredit scheint auch gereicht zu haben, einen guteingerichteten, klug konzipierten und (wie sich im Laufe des Konzertes zeigte) auch akustisch hervorragenden Raum

zu realisieren. Um halb neun ist der Saal noch halbleer, ungeduldige Blicke von der Bühne in den Zuschauerraum. Dann endlich, mit 40 Minuten Verspätung : Licht aus. Bruce kommt auf die Bühne. Mit dem klagenden Harp-Intro zu "The Ghost of Tom Joad" beginnt die Show. Ein hart gespieltes "Atlantic City" folgt, dann "Straight Time" und "Highway 29". Keine langen Reden zwischen den Songs. Ist Bruce schlechter Laune? Begreiflich wärs, kein Künstler wartet wohl gerne hinter der Bühne, bis wegen überfordertem Personal das Konzert endlich losgehen kann. Dann wirds laut, sehr laut (zumindest bei uns vorne in der 3. Reihe) : "Darkness" und "Murder Inc." Ein wunderschönes "Highway Patrolman", ein Griff in die Oldiekiste für "It's hard to be a saint in the city", die Italiener um uns herum flippen. Bruce kommt in Fahrt, seine Stimmung scheint jetzt wieder die gewohnte zu sein, die Geschichten und Anekdoten zwischen den Songs werden etwas länger : die Münzgeschichte vor "Little Things that count", als Intro zu "Red-Headed Woman" die Richtigstellung seiner (sprachlichen) Verwechslung von Cheveux Rouges und Chevaux Rouges. Französisch ist halt wirklich eine difficile Sprache !

"Two Hearts" widmet er seiner rothaarigen Frau, die wieder "back in the USA" sei. Also kein Duett, aber schön ist der Song trotzdem. Jetzt folgt der "ernste" Teil des Konzerts, mit "Brothers under the Bridges", "Born in the USA" (mit langem Slide-Guitar-Intro, noch nicht ganz wie Ry Cooder, aber Bruce scheint voll auf die langgezogenen Sounds, die er seiner Takamine entlockt, abzufahren), "Sinaloa Cowboys" und der Border-Trilogie. Dazwischen aber dennoch "a happy song", nämlich "Long Time Coming", ich höre ihn heute Abend zum ersten (aber hoffentlich nicht zum letzten) Mal ! Nach "Across the Border" der obligate Rush zum Bühnenrand (Darf man das ? Diskussion siehe Internet). Den Zugabenteil eröffnet "You can look" (Hat er diesen Song jetzt dem im Publikum anwesenden Elvis Costello gewidmet oder nicht ? Ich habs nicht mitbekommen, muss in diesem Moment grad um ein Plätzchen für meine beiden Füsse kämpfen), dann "Working on the Highway". Zeit zum Mitsingen. Und ganz Italien um uns herum tuts, mehr laut als schön. (Apropos Italien : Schrieb doch jemand im Internet "Although many Italians were in the crowd, Bruce only spoke in French". Wirklich schade, gell ? Wir vom "Drive all Night" haben ja auch den ganzen Abend auf ein "Sali zäme" gehofft !) Nach "This Hard Land" gibts offenbar eine kleine Setlist-Änderung. Bruce verlangt nach einer 12-Saitigen, bekommt sie, "This is for the young people in the audience", und spielt "Growin' Up"! Zum Schluss, wie schon oft, "Galveston Bay" (immer von neuem erstaunlich, wie das Publikum sich wieder beruhigt, von der Festhütte in den Konzertsaal zurückkehrt). Und mit der Feststellung "Mister, I ain't a boy, now I'm a man, and I believe in the promised land" entlässt Bruce die etwa 3000 Fans in die noch immer angenehm warme Nizza-Nacht.

by Jürg Bollinger

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