The Mansion on the Hill by Fred Goodman

Einen Blick hinter die Kulissen des Rock’n’Roll-Business und das schmale Band zwischen Kunst und Kommerz wirft dieses Buch von Fred Goodman, einem Journalisten und ehemaligen Rolling-Stone-Redaktor. Nicht um die Stars geht es hier, sondern um die Macher im Hintergrund. In "The Mansion on the Hill: Dylan, Geffen, Springsteen, and the Head-on Collision of Rock and Commerce" wird die Geschichte des Rock aus dem Blickwinkel der Manager und Plattenfirmen beleuchtet, die ihn zu dem gemacht haben, was er heute ist: ein gewinnbringendes Geschäft, das den Mief des rebellischen Untergrundes längst abgestreift hat.  

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Was wäre in den 60er Jahren aus Bob Dylan geworden, wäre ihm nicht Albert Grossman mit Tat und Rat zur Seite gestanden? Er war der erste, der den Popmusiker als Künstler betrachtete. Was wäre mit der Karriere von Bruce Springsteen geschehen, hätte er nicht 1974 einen gewissen Jon Landau, einen ehemaligen Rolling-Stone-Redaktor und eher erfolglosen Produzenten (MC5), kennengelernt? Eine hypothetische Frage, gewiss. Laut Goodman wäre Springsteen wohl nie zu jener populistisch veranlagten Stimme Amerikas geworden, die er zu Zeiten von "Born in the USA" zweifellos war. Landau, seit "Born to Run" Co-Produzent und nach dem Appel-Gerichtsfall alleiniger Manager von Springsteen, trieb seinen Schützling zu kommerziellen Höchst-leistungen. Ein Song wie "Dancing in the Dark" war nur möglich, weil Landau eine garantierte Hitsingle forderte. Ausserdem brachte Landau Springsteen auf einen, sagen wir es einmal "politisch gefärbten" Kurs, indem er ihm die Welt von Protestsängern wie dem Folkie Woody Guthrie näherbrachte. Kein Wunder, dass er kurz darauf "This Land is Your Land" ins Live-Programm aufnahm.
Dass bei diesem Streben nach Ruhm und Macht zwangsläufig auch Menschliches auf der Strecke bleiben musste, wird ebenfalls kurz beleuchtet. So schirmte Landau seinen Schützling von nicht genehmen Einflüssen (Journalisten) rigoros ab. Ebenfalls auf Landaus Kappe soll die Entlassung eines Lichtroadies und der Weggang von Steve Van Zandt gegangen sein. Aber machen wir uns nichts vor: diese Sachen passieren immer wieder in diesen Sphären des Big Business.

Ebenfalls kein gutes Haar lässt der Autor an Dave Marsh, dem Verfasser der beiden Springsteen-Biographien "Born to Run" und "Glory Days". Er, der als guter Freund von Landau und Springsteen gilt, soll hauptsächlich mitgeholfen haben, den Mythos von Springsteen zu kreieren. Ohne journalistische Objektivität, versteht sich.

"The Mansion on the Hill" ist ein interessantes Buch und ideal für all diejenigen, die der Figur und dem Mythos Springsteen mit einer gewissen Distanz gegenüberstehen. Springsteen ist und bleibt keine Heiligenfigur, wie sie von Marsh manchmal dargestellt wurde. Er ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit all den kleinen und grossen Fehlern, wie sie auch "normale" Menschen haben. Aber genau deswegen lieben wir ihn ja.

Die Karriere von Springsteen ist aber nur ein Aspekt dieses Buches. Einen ebenso wichtigen Stellenwert nehmen die Laufbahnen von Albert Grossman und David Geffen ein. Gerade Geffen kann als ideales Beispiel für eine 30jährige Karriere im Plattenbusiness herhalten.

by Rolfwyss